Transsiberian

Wer hintereinander Favoriten wie SESSION 9 und THE MACHINIST dreht, kann sicher sein, dass man bei seinem nächsten Film ganz genau hinsieht. Brad Anderson muss sich keine Sorgen machen. Denn TRANSSIBERIAN, seine tatsächlich vor Ort in Russland gedrehte Verbeugung vor STRANGERS ON A TRAIN, hält genauester Begutachtung stand – auch wenn der Film ganz anders ist, als man ihn nach den düsteren, pessimistischen Vorgängern erwartet hätte. In prächtige und eigenwillige Kinobilder verpackt, erzählt der Thriller die Geschichte einer Zugfahrt, die ein amerikanisches Paar nach getaner missionarischer Arbeit in China unternimmt, um die angeschlagene Ehe zu retten. Die Beziehung bekommt mehr Pep, als den beiden lieb sein kann, als sie an Bord mit allerlei zwielichtigen Gestalten konfrontiert, vor allem aber auf eine harte moralische Probe gestellt werden. Obwohl sie gegen Schwergewichte wie Woody Harrelson, Ben Kingsley oder Eduardo Noriega anspielen muss, ist es die wie immer brillante Emily Mortimer, die den Film an sich reißt, als sie mit einem Dilemma nach dem anderen ringt, deren Ausmaß Christian Bales Maschinisten noch einmal ein paar weitere Jahre Schlaf rauben würde.

Meinung

Wir begleiten das Ehepaar Roy und Jessie auf ihrer Reise mit der transsibirischen Eisenbahn durch – klar – Sibirien. Als die beiden sich mit einem anderen Päärchen anfreunden, nimmt der Thriller-Plot seinen Lauf. Im Gegensatz zu Regisseur Brad Andersons “The Machinist” ist “Transsiberian” aber ein recht gradliniger Thriller in chronologischer Erzählform.

Als Zuschauer weiss man nie so recht, wem man (außer dem gradlinigen Vorzeige-US-Touristen Roy, gespielt von Woody Harrelson) trauen kann und wer Dreck am Stecken hat. Verdächtig sind sie alle. Es gibt immer wieder interessante Wendungen in der Handlung, die ich nicht alle vorhergesehen habe.

In bester Hitchcock-Manier nimmt die Story im Laufe des Films immer mehr Fahrt auf und bringt die Protagonisten in für sie völlig neue Situationen. Positiv ist mir aufgefallen, dass sie dabei nie zu Superhelden mutieren, sondern immer im Rahmen ihrer Möglichkeiten bleiben.

Zusammengefasst: Gute Schauspieler (Harrelson, Thomas Kretschmann, Ben Kingsley), gute Atmosphäre, gute Story und schöne Landschaftsaufnahmen machen aus “Transsiberian” einen gelungenen Thriller. Für das Fantasy-Filmfest (auf dem ich ihn gesehen habe) ist er allerdings recht mainstreamig.

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