Frost/Nixon

frostnixonDrei Jahre lang schwieg Richard Nixon (Frank Langella) nach seinem Rücktritt in Folge der Watergate-Affäre, doch im Sommer 1977 ließ sich der stahlharte und überaus redegewandte Ex-Präsident auf eine exklusive Reihe von Fernsehgesprächen ein, um über seine Amtszeit zu sprechen. Die Erwartungen waren hoch, Einzelheiten über die Hintergründe des Spionagefalls zu erfahren.

Nixons überraschende Wahl für den Moderatoren der Sendereihe fiel auf den bis dahin eher als windig bekannten britischen Moderator und Entertainer David Frost (Michael Sheen) — wahrscheinlich in der Hoffnung, leichtes Spiel mit ihm zu haben, um sich so ohne große Gegenwehr einen Platz in den Herzen und Köpfen der Amerikaner zurückerobern zu können.

Kommentar (mit Spoilern, falls man die Handlung noch nicht kennt)

Bei den ersten drei der vier Interviews mit den Themen Innenpolitik, Außenpolitik und „Nixon der Mensch” war der Ex-Präsident klar der Herr im Ring. Frost war unvorbereitet und hatte sich mehr um Einschaltquoten und Werbeverträge gekümmert, als um ausführliche Recherche. „Er hat Hackfleisch aus dir gemacht!”, meinte einer seiner Berater.

nixonErst in der Nacht vor dem finalen Interview (Thema: Watergate) bekam Frost von Nixon einen Anruf, der ihn aufrüttelte und zu mehr Engagement motivierte. Diesen Anruf hat es in der Realität übrigens nicht gegeben — es war ein Einfall der Filmemacher. Die Begründung liefert Regisseur Ron Howard in diesem Interview.

Vor dem Watergate-Interview war die Spannung bis in den Kinosessel spürbar. Nixon, der seinen Kontrahenten sonst immer freundlich begrüßt hatte, würdigte Frost keines Blickes. Und in den letzten Sekunden vor dem Gespräch war es diesmal nicht der Ex-Präsident, sondern der Talkshowmaster, der einen bissigen Scherz in Richtung seines Gegenspielers machte.

Nixon war vom ungewohnt offensiven Frost so in die Enge getrieben, dass er sich zu dem aus dem Trailer bekannten Satz „Wenn der Präsident etwas tut, ist es nicht illegal” hinreissen ließ. Beeindruckend vor allem, daß er diesen Satz nach der von seinen Beratern hastig angeordneten kurzen Pause nicht etwa zurücknahm, sondern mit „Ich habe das Amerikanische Volk verraten” noch einen drauflegte — um sich nicht länger immer wieder in Ausreden flüchten zu müssen. Dafür opferte er allerdings die zuvor erhoffte Rehabilitation und eine eventuelle Neu-Kandidatur.

„Frost/Nixon” ist die spannendste Biographie, die ich je gesehen habe. Zu keiner Sekunde habe ich mich gelangweilt oder habe auch nur auf die Uhr gesehen. Auch wenn man das Ende der Story schon kennt, ist das finale Interview sehr spannend gestaltet und von den Schauspielern hervorragend verkörpert. Besonders Frank Langella, der den Ex-Präsidenten verkörpert, läuft zur Höchstleistung auf, wenn er sich plötzlich in die Defensive gedrängt sieht und später fast erleichtert seine Schuld eingesteht. Bisher war Langella (langjähriger Lebensgefährte von Whoopi Goldberg) hauptsächlich als Theater-Schauspieler aktiv. Seine Oscar-Nominierung für die beste männliche Hauptrolle hat er sich jedenfalls redlich verdient.

Sehr empfehlenswert!

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